VW Polo G40 Gruppe-H

Aufmacher Polo Nr.2 560x200

Für den Slalomsport haben wir uns ein Fahrzeug nach den Regularien des DMSB aufgebaut. Die Basis stellt ein VW Polo 86c aus dem Jahre 1991 dar. Der Polo wurde von Grund auf neu aufgebaut, lackiert und mit der entsprechenden Motorsport-Technik versehen. Ein großer Dank geht hierbei an die Mitarbeiter der Firma Hofer Karosserie und Lack GmbH, die uns tatkräftig unterstützt haben. Ende 2008 war es soweit, wir absolvierten die ersten Testkilometer und es traten die ersten technischen Schwierigkeiten auf. Aber von den üblichen Startschwierigkeiten ließen wir uns nicht beirren und haben die Technik sukzessive verbessert. In der Saison 2009 hat sich das Fahrzeug schon als sehr zuverlässig herausgestellt, aber um auch ein siegfähiges Gesamtpaket auf die Beine zu stellen bedarf es mehr als nur zuverlässiger Technik. Deshalb haben wir in der Winterpause 2009/2010 einige Verbesserungen an Fahrwerk und Bereifung vorgenommen.

Das Jahr 2011 war die letzte Saison für den silbernen Renner. Die aufwändige Technik und der Transport per Trailer haben dieses Fahrzeug zur zeitaufwändigen und zugleich extrem kostspieligen Angelegenheit werden lassen. Aus dieser Erkenntnis heraus ist das Projekt „Sportkarre“ entstanden.

Aufmacher Polo G40 560x400
Photo: „Betriebsausflug“ aus vergangenen Tagen. Sebastian bei der Feinabstimmung am G40 Polo (zwei unserer Polos auf dem Flugplatz in Husum)

Tiefer, breiter, schneller?
Lautet so die einfache Formel für ein schnelles und gut beherrschbares Fahrwerk? Viele „Ampelraser“ sehen darin scheinbar die optimale Lösung, doch das Handling dieser Fahrzeuge ist häufig alles andere als gut. Meistens deutlich schlechter als bei einem guten Serienfahrzeug und bei vielen Fahrzeugen sogar als lebensgefährlich zu bezeichnen. Also alles so lassen wie es ist?
Nein, denn Veränderungen an der richtigen Stelle können das Handling eines Fahrzeuges deutlich verbessern. Wer nicht bereit oder in der Lage ist ein Fahrwerk in allen seinen Komponenten neu zu gestalten, der sollte eine Regel beherzigen. Zu große Abweichungen von der Serie an einzelnen Bauteilen bringen in fast jedem Fall negative Ergebnisse. Der G40 Polo wurde sehr umfangreich umgebaut und hat neben einer voll einstellbaren Vorderachse ein Fahrwerk von der Firma Hans Bauer Fahrwerkstechnik erhalten. Hans Bauer war selbst deutscher Slalommeister und baut auf eine lange Erfahrung in der Entwicklung von Slalomfahrwerken. Die verwendeten Komponenten stammen von den Firmen H&R-Spezialfedern und Bilstein.

Fahrwerk 560x400

Auf die Abstimmung kommt es an!
Das Tieferlegen einer Karosserie senkt den Schwerpunkt, das wissen die meisten. Warum hat das der Fahrzeug-Hersteller nicht bereits in der Serie umgesetzt?
Sicher spielt die Bodenfreiheit und der Fahrkomfort bei einem Serienfahrzeug eine große Rolle. Die Fahrsicherheit steht aber auch hier im Vordergrund. Für ein sicheres Fahrverhalten auf welliger Strecke ist ein gewisser Federweg unerlässlich. Auf der Rennstrecke kann man in diesem Punkt gewisse Abstriche machen und mit einem reduzierten Federweg auskommen. Der reduzierte Federweg erfordert aber auch eine deutlich gesteigerte Federhärte, damit das Fahrzeug nicht ständig auf den Endanschlägen aufschlägt. Die Feder muss also gerade so hart sein, dass ein vorhandener Einfederweg von z.B. 30mm vollständig ausnutzt werden kann, aber das Fahrwerk nicht ständig durchschlägt. Die dafür notwendigen Federraten sind in der Regel so hoch, dass das Auto bei solchen Federn im Stand nur wenige Millimeter einfedert. Das würde aber bedeuten, dass wir so gut wie gar keinen Ausfederweg mehr erhalten. Beim silbernen Polo wurde dieses Problem folgendermaßen gelöst: Die Hauptfeder an der Vorderachse hat eine Federrate von 120 N/mm. Das bedeutet 120 Kg lassen diese Feder 10 mm einfedern. Damit man einen ausreichenden Ausfederweg erhält wurde über der Hauptfeder eine Zusatzfeder (auch Hilfsfeder genannt) mit 40 N/mm eingebaut. Diese ist im Stand vollständig geschlossen und stellt bei Kurvenfahrt einen ausrechenden Ausfederweg sicher. Durch die gewählte Federrate wird das kurveninnere und damit entlastete Rad auf den Boden gedrückt. Eine gute Traktion ist die Folge dieser Anordnung. Das eigentliche Geheimnis bei diesem Fahrwerk ist auf den ersten Blick nicht sichtbar, es steckt in den Bodenventilen der Bilstein Einrohr Upside-/ Down-Stoßdämpfer. Trotz der relativ hohen Federraten garantiert das Fahrwerk ein sehr sensibles Ansprechverhalten auf Bodenwellen. Damit ist Hans Bauer der Spagat zwischen notwendiger Härte und gutmütigen Handling gelungen. In Kombination mit den richtigen Reifen hat dieses Fahrwerk das Potential zum Sieg, wie bereits mehrere Polofahrer unter Beweiss stellen konnten. Für die Straße ist dieses Fahrwerk leider nicht zugelassen, so dass wir uns für das Projekt Sportkarre nach einer Alternative umschauen mussten.



Konstruktion und Fertigung einer Dreiecklenker Vorderachse

Polo G40 in der Werkstatt 560x400
Photo: „Nach dem Rennen, ist vor dem Rennen!“ Zwischen den Veranstaltungen wurde das Fahrzeug ständig verbessert. Auf dem Photo ist der Polo in der Werkstatt und bekommt einen Hilfsrahmen mit Dreieckslenkern. Die ganze Konstruktion wurde von Sebastian geschweißt. Die verwendeten Teile stammen von der Firma CNC-Althaus. Als Schweißverfahren kamen WIG und MAG zum Einsatz.

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Photo: Verstärkungsrahmen fertig geschweißt und grundiert.

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Photo: Aufnahme für das Traggelenk mit Langlöchern für die Sturzverstellung.

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Photo: Diese Schweißnähte müssen halten, sonst ist der Unfall vorprogrammiert.

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Photo: Blick auf einen Dreieckslenker. Die verbauten Uniballgelenke sind „spielfrei“ vorgespannt und werden z.B. von der Firma Fluro speziell für den Motorsport vertrieben.