Der Internationale Wintershall VW Polo-Cup ist ein Stück interessante Motorsportgeschichte
und zudem gerade bei jüngeren Motorsportfans ziemlich unbekannt. In der Szene der
Polofahrer gibt es viele Mythen und Legenden um die eingesetzten Fahrzeuge und deren
Technik. Durch Zufall bekamen wir Kontakt zu ehemaligen Cup-Fahrern. Von Motorsportfreunden
erhielten wir Hintergundinformationen und Bildmaterial für unsere Seite, um so Interessierten
diesen Cup - den Beginn der G-Lader Technik- präsentieren zu können. Wir wünschen
dem interessierten Leser eine spannende Unterhaltung.
Wir schreiben das Jahr 1982, der VW Golf 1 GTI Cup geht in seine letzte Saison. Anfang
1983 startet Volkswagen mit dem ersten VW Polo Cup in das neue Motorsportjahr. Die
verwendeten Fahrzeuge sind mit einem 88 PS starken Saugmotor ausgerüstet, der seine
Kraft durch zwei 40er Solex-Doppelvergaser erreichte. 1986 begann im VW Polo-Cup
eine neue Ära des Motorsports und eine kleine Sensation im Motorenbau. Volkswagen
Motorsport baute auf der Basis einer 55 PS Polo Karosserie die ersten 50 Cup-Fahrzeuge
mit aufgeladenen Verbrennungsmotoren auf. Für die Aufladung kam aber nicht wie gewohnt
ein Turbolader zum Einsatz, sondern ein mechanischer Spirallader (Der von VW “G-Lader”
genannt wurde). Mit diesem G-Lader erreichte man an einem 1300 ccm Motor eine Leistung
von 112 PS, ohne umfangreiche Tuning-Maßnahmen am Motor vornehmen zu müssen. Das
Serienmodell, der VW Polo GT G40 leistete sogar 115 PS. Anders als bei Saugmotoren
dieser “Hubraum-Klasse” üblich, erreichte der mit einem G-Lader ausgerüstete Motor
sein maximales Drehmoment bereits deutlich früher. Dadurch wurde ein ungewöhnlich
günstiger Drehmoment-Verlauf erreicht, welcher sehr dynamische Fahreigenschaften
ermöglichte. Noch heute gehört den G-Lader zu den Wirkungsgrad stärksten Kompressoren
am Markt und die jüngsten Bemühungen der Firma Handtmann (Handmann Spirallader HSL®)
zeigen, dass man dem Prinzip Spirallader immer noch eine Zukunft einräumt.
2. Die Veranstaltung VW Polo Cup
Der Polo-G40 Cup hieß offiziell "Internationaler Winterhall VW Polo Cup" und wurde
als eigene Veranstaltung oder im Rahmenprogramm der DTM zwischen 1986 und 1989 ausgetragen.
Für viele der heute noch erfolgreichen Motorsportler, war er ein geeignetes Sprungbrett
in den bezahlten Profi-Rennsport. Für die weniger erfolgreichen Fahrer war es eher
ein teures Abendteuer, an das man sich aber trotzdem gerne zurück erinnert. Die guten
alten Zeiten eben, als es noch echten und ehrlichen Rennsport gab.
3. Veranstaltungsdaten/ Termine
Veranstaltungsdaten aus der Polo-Cup Saison 1987
Veranstaltungsdaten aus der Polo-Cup Saison 1989
4. Die Sieger
Liste der Cup Gewinner 1983-1989
Die Fahrer konnten sich je nach Platzierung, über ein mehr oder weniger großes Preisgeld
freuen.
Platz / Preisgeld
1. 3000DM
2. 2000DM
3. 1500DM
4. 1200DM
5. 1000DM
6. 900DM
7. 800DM
8. 700DM
9. 600DM
10. 500DM
11. 400DM
12. 400DM
13. 400DM
14. 300DM
15. 300DM
16. 200DM
17. 200DM
18. 200DM
19. 200DM
20. 200DM
Insgesamt : 15.000DM pro Rennen. In total 15.000 DM (circa 7.500€) per race
[Quelle: VW Motorsport Ausschreibung 1986 Art. 9 Preise] zum
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4 Zylinder, wassergekühlt/ 4 Cylinder, water-cooled, MKB/ Engine-Code: MM
Hubraum / Engine Displacement:
1275 ccm
Verdichtung / Compression:
8,0:1
Leistung / Engine Power:
82 kW/ 112 PS/hp
Kraftstoffaufbereitung / Fuel System:
elektronische Einspritzung/ Multi Point Injection
Beschleunigung / Expedition:
8,4 sec. 0-100 Km/h
Zündung / Ignition:
Digifant Steuergerät/ Digifant ECU
Schmierung / Lubrication:
Nass-Sumpf/ Oil Sump
Kraftübertragung / Clutch:
Verstärkte Sportkupplung (Sachs)/ Sport Upgrade Clutch (Sachs)
Getriebe / Gearbox:
5-Gang Rennsport/ 5-Speed Racing Version, exclusive diff. Lock
Stoßdämpfer / damper:
Fichtel & Sachs -Rennabstimmung
Federn / Springs:
Eibach
Felgen /wheels:
5,5x13 "VW Motorsport" (Centra)
Bereifung / Tyres:
Pirelli-Rennreifen/ Racing Tyres 185/60 VR 13. (je ein Satz Trocken und Regen.)
Höchstgeschwindigkeit / Peak Speed:
192Km/h
Sonstiges / Specials: 3-Wege-Katalysator mit Lambda-Sonde / Catalytic Converter with Lambda Control Leichtmetallölkühler, Sportauspuff / Oil-cooler, Sport Exhaust System Innenbelüftete Scheibenbremse vorn / Ventilated Disk Rennschalensitz, Lederlenkrad / Racing Seat, Leather Steering Wheel Komplette Sicherheitsausrüstung mit Überrollkäfig, Hosenträgergurt / Rollover Cage, Racing Belts Halon-Feuerlöscher / Halon-Extinguisher Zusätzliche Haubenverschlüsse / Bonnet Catches
Die Versuchung bei gleicher Technik am eigenen Auto etwas nachzuhelfen war offenbar
groß, wie dieses Rundschreiben von VW Motorsport an die Fahrer zeigt:
7. Sicherheitsausstattung
In diesem Abschnitt wollen wir uns die Technik der Cup Autos einmal näher anschauen.
Wir beginnen mit der obligatorischen Sicherheitsausrüstung, die in jedem Motorsportfahrzeug
vorhanden sein muss.
Die Fahrzeuge des Polo Cups waren mit folgender Sicherheitsausrüstung ausgestattet:
1. Überrollkäfig der Firma Matter.
(Anmerkung: Die Matter Motorsport GmbH gibt es heute nicht mehr. Die Firma hat damals
sehr gut verarbeitete Überrollkäfige hergestellt und verwendete für die Vermarktung
einen sehr zynischen Werbespruch, der aber trotzdem einen gewissen Wahrheitsgehalt
hatte: “ohne Matter bist Du platter!”)
2. 4 Kg Halon im Beifahrerfußraum.
3. Notaus, von innen und außen zu betätigen. Die äußere Betätigung war auf der Fahrerseite
angebracht.
4. Hosenträgergurt und Schalensitz.
5. Haubenverschlüsse mit Splint vorne und Federzüge für die Heckklappe.
6. Die Scheiben bestanden aus Glas und nicht wie heute üblich aus Makrolon®.
Das Fahrwerk der Cup Polos erfuhr eine gründliche Überarbeitung, um den Belangen
des Motorsports gerecht zu werden. Die serienmässige Vorderachse wurde durch einen
Hilfsrahmen zusätzlich versteift (siehe Bild unten). Der Rahmen überspannte an dem
Punkt (C) den Auspufftunnel, der durch seine Aussparung in der Bodengruppe den Vorderwagen
schwächt. Die mit (B) gekennzeichneten Punkte, wurden durch verschrauben mit der
inneren Querlenkeraufnahme verbunden. Hierzu hat VW-Motorsport ein zusätzliches Befestigungsloch
in die Querlenkeraufnahme gebohrt. Die mit (A) gekennzeichneten Punkte wurden an
den original Befestigungspunkten für den Stabilisator angeschraubt. Auf der Unterseite
des Rahmens befand sich eine Stabilisatoraufnahme, die der originalen entsprach.
Jedoch war die Aufnahme 35 mm in Fahrtrichtung versetzt angebracht. Zwei Dinge hat
man auf diese Weise erreicht, der Nachlauf wurde vergrössert und der Radstand verlängert.
Ergänzt wurde das Fahrwerk hinten durch eine härtere Federn-Stoßdämpferkombination
und eine Domstrebe. Die Stoßdämpfer konnten durch Austausch des Dämpferöls in der
Härte angepasst werden. Ein exzentrisches Domlager ermöglichte die Sturz- und Nachlaufeinstellung
an der Vorderachse. Üblicherweise wurde im Cup mit -3° Sturz gefahren. Beim Saugercup
gab es diese Einstellmöglichkeit noch nicht, dort hat man die Federbeine in speziellen
Formen gebogen, um mehr Sturz zu erreichen. Die Fahrwerksgummis und Motorlager wurden
durch 85 Shore harte Gummis ersetzt.
9 Felgen und Reifen
Für die Felgen des Cup Polos ließen sich die Mitarbeiter von VW-Motorsport etwas
ganz besonderes einfallen. Sie ließen durch die Firma Centra, Alufelgen in der Größe
5 1/2 x 13 im Design des VW Logos anfertigen. Die verwendete Bereifung bestand aus
Pirelli Slicks und Regenreifen in den Dimensionen 185/60 VR 13. Die Slicks wurden
von vielen Fahrern als zu hart empfunden.